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Froschregen mit Happy End

kleine Erdkröte...soo winzig! - Foto: Madlen Schimkat, NSI Dresden
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kleine Erdkröte...soo winzig! - Foto: Madlen Schimkat, NSI Dresden

Am Freitag, den 04.07.2020 erreichte uns der Anruf einer besorgten Bürgerin aus Dresden-Trachenberge. Sie war auf ein Wasserbecken aufmerksam geworden, in welchem sich „kleine Frösche“ an den Rand klammerten und offensichtlich nicht herauskamen.

Als wir das Becken gefunden hatten war schnell klar: die Sorge war begründet! In einem alten, flachen Springbrunnenbecken hatten im Frühjahr Erdkröten gelaicht. Nun hockten über 1.000 kleine Jungkröten am Rand. Eigentlich sind die Jungtiere gute Kletterer! Die Bauform des Beckenrandes machte den Tieren jedoch einen Strich durch die Rechnung. Dieser war nämlich, wie auf den Fotos zu erkennen ist, mit einer Deckplatte versehen, die etwa 5 Zentimeter ins Gewässer ragte. Die kleinen Kröten hätten eine gerade Wand überwinden können (so wie später unseren Transporteimer!). Aber kopfüber den Überhang zu umklettern, das war selbst für diese wendigen Kletterer zu viel. So verharrten sie am Rand.

Wir begannen also, die Tiere von der Wand abzulesen und in ihr Landhabitat zu tragen. – Welch ein Service! – Dabei halfen uns zwei Kinder und ihre Mütter tatkräftig mit allem, was so verfügbar war: kleine Hände, große Hände, Brotdosen…. Am Ende des Einsatzes hatten wir etwa 800 bis 1.000 kleine Erdkröten aus dem Becken geborgen! Am nächsten Tag kamen wir mit Eimern wieder. Immerhin noch etwa 170 Kröten freuten sich nun über ihre Rettung.

Rettung? Gehören Kröten denn nicht ins Wasser? Tatsächlich kommen Kröten und auch die meisten Frösche nur zum Laichen ins Gewässer und leben den Rest des Jahres an Land. Wo auf längere Sicht im Wasser Sitzplätze zum Ruhen fehlen, werden die kleinen Kröten dann schnell Opfer ihrer Erschöpfung. Auch fehlt es den Jungtieren dann an Nahrung. Nachdem sie sich als Kaulquappe noch vegetarisch von Pflanzen ernährt haben, fressen sie als verwandelte kleine Kröte dann kleine Spinnen und Insekten. Am Ende ihrer Verwandlung, kurz bevor sie als „fertiger“ Kröte auf Jagd gehen, fressen sie übrigens gar nichts und leben von ihren Reserven.

Das müssen „unsere“ Kröten allerdings nun nicht mehr tun, sie können in ihrem Landlebensraum nun auf Jagd gehen und heranwachsen. Sollten sie eines Tages das Gewässer, in dem sie schlüpften, selbst als Laichplatz nutzen wollen, haben sie und ihr Nachwuchs Glück! Die informierte Untere Naturschutzbehörde will gemeinsam mit dem Flächeneigentümer Ausstiegshilfen für die Tiere anbringen. So können auch die jetzt noch im Gewässer lebenden Kaulquappen nach ihrer Entwicklung zur Kröte von selbst in ihr neues Leben wandern.

Ach ja: geregnet hatte es am Freitag übrigens nicht! „Froschregen“ nennt man die sehr auffälligen Wanderereignisse von Fröschen und besonders Kröten, wenn viele hundert bis tausende Jungtiere von Ihnen nach ihrer Entwicklung gemeinsam das Gewässer verlassen und in ihre Landlebensräume wandern.

 

Wir möchten uns an dieser Stelle bei der aufmerksamen Bürgerin bedanken, die die Lage richtig erkannte und uns informierte!

viele kleine Kröten klammern sich an den Beckenrand - Foto: Madlen Schimkat
tatkräftige Unterstützung bei der Rettung - Foto: Madlen Schimkat
Die Deckplatte auf dem Beckenrand ist ein unüberwidbares Hindernis - Foto: Madlen Schimkat
auch Kaulquappen schwimmen noch im Wasser, bald stehen sie vor dem gleichen Problem... - Foto: Madlen Schimkat, NSI Dresden
die Hände reichten nicht aus, um die vielen Krötlein zu beherbergen... - Foto: Madlen Schimkat, NSI Dresden
die Brotdose wurde als Transportmittel umfunktioniert - Foto: Madlen Schimkat, NSI Dresden



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