NSI DresdenProjekteHöhlenbaumkartierung Dresdner Heide

Dresdner Ornithologen kartieren im Auftrag der UNB Höhlenbäume in der Dresdner Heide

Besonderes Kennzeichen: ein blaues H

Seit dem Spätsommer 2005 sind Dresdner Ornithologen regelmäßig in der Dresdner Heide unterwegs mit dem Ziel, die Höhlenbäume von Klein-, Bunt-, Grün-, Grau- und Schwarzspechten zu kartieren und zu markieren. Sie sollen als wertvolle Habitatbäume kenntlich gemacht, vor einem versehentlichen Fällen bewahrt und als Lebensraum für Höhlenbewohner gesichert werden. Als Projekt des Naturschutzinstitutes Dresden im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt gestartet, kann das aber von den Mitarbeitern des Institutes allein nicht bewältigt werden, sodass die ehrenamtlich forschenden Ornithologen der Fachgruppe Ornithologie Dresden um Unterstützung gebeten wurden. Die Funktionen geschützter Höhlungen werden oftmals unterschätzt. Dabei sind sie nicht nur Brutplatz, sondern auch Schlafraum, Aufenthaltsort bei schlechtem Wetter, Fressplatz und Nahrungsdepot. Im Mittelpunkt der genannten Erfassung stehen die Höhlen des Schwarzspechtes, der als größter heimischer Specht als einziger Vogel in der Lage ist, großräumige Höhlen zu bauen, die für eine Vielzahl von Nachmietern wie Hohltaube, Wald-, Sperlings- und Rauhfußkauz, Mandarinenten, Hornissen, Wildbienen, Fledermäuse, Eichhörnchen, Marder und viele andere Wirbeltier- und Insektenarten Quartier bieten. Der Schwarzspecht nimmt damit eine Schlüsselstellung innerhalb des Ökosystems Wald ein. Seine herausragende Rolle für die Artenvielfalt macht ihn besonders schützenswert, sodass er nach bundesdeutschem wie auch nach europäischem Recht den höchsten Schutzstatus genießt.

Nach der Markierung der Bäume – mit einem blauen H – ist deren regelmäßige Kontrolle und das Anlegen einer Höhlenbaumkartei beziehungsweise -chronik sinnvoll. Nur so kann die Dynamik in der Nutzung der Spechthöhlen dokumentiert werden. So wurde bereits nach vierjähriger Beobachtungszeit deutlich, dass eine Vielzahl verschiedenster Lebewesen die Baumhöhlen nebeneinander und nacheinander nutzt. Deshalb wird ständig eine große Zahl freier Höhlen benötigt. Schon der Schwarzspecht allein braucht neben der Bruthöhle eine Schlafhöhle und zusätzlich eine Ersatzhöhle, die er bei Störungen direkt anfliegen kann. Unter anderem deshalb ist ein scheinbares Überangebot an Höhlenbäumen nötig. Da sich die Hacktätigkeit der Spechte immer wieder auf die einmal angenommenen Bäume konzentriert und dadurch im Laufe der Jahre nicht wenige Bäume mit mehreren Höhlen entstehen, ist deren Belassen im Bestand sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll.

Bisher gelang die Markierung von mehr als 600 Höhlenbäumen. Ihr Schutz spielt eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung der Artenvielfalt in der Lebensgemeinschaft Wald. Die Erfassung, Betreuung und regelmäßige Kontrolle der Bäume sowie eine wissenschaftliche Auswertung sind sehr zeitaufwendig, sollten aber auf Dauer gewährleistet und eine landesweit einheitliche Regelung für die Kennzeichnung von schützenswerten Bäumen unbedingt angestrebt werden. Als notwendig und sehr erfolgreich haben sich bei dieser Tätigkeit der persönliche Kontakt und der Erfahrungsaustausch zwischen Naturschutzbehörde, Förstern, Ornithologen und der im Forst tätigen Arbeiter erwiesen. So kann bei Auffälligkeiten beziehungsweise besonderen Vorkommnissen oder Vorhaben im Wald schnell informiert und seitens der Verantwortlichen reagiert werden. Die Revierförster holen – zum Beispiel vor Durchforstungsmaßnahmen – den Rat der im Gebiet tätigen Ornithologen ein; den Förstern werden von den Ornithologen die gefundenen Brutplätze bedrohter beziehungsweise seltener Arten wie Habicht, Sperber, Schwarzspecht und Sperlingskauz vorgestellt. Bei all dem sind gegenseitiges Verständnis und Kompromissbereitschaft die Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit zwecks langfristiger Sicherung lebensnotwendiger Habitate mit wertvollen, alten Höhlen- und Horstbäumen.


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